Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen

Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich von der Erwachsenentherapie, weil die Interventionen dem Entwicklungsstand des jungen Patienten angemessen sein müssen, um Heilung zu bewirken. Die Sprache des Kindes ist das Spiel. Im Spiel erschließt sich das Kind die Welt, im Spiel teilt es seine Welt dem Betrachter mit. Je jünger die Kinder sind, desto weniger wird in verhaltenstherapeutischen Sitzungen gesprochen. Der Therapeut spielt mit dem Kind, um die Weltsicht des Kindes zu explorieren und um ihm zu ermöglichen, neue Verhaltensweisen auszuprobieren und zu verinnerlichen. 

 

Um nachhaltige Erfoge in der Therapie zu erzielen, ist die Arbeit mit Bezugspersonen sehr wichtig. Gespräche mit Eltern und anderen an der Erziehung beteiligten Personen, Erziehungsberatung, Austausch mit Schule und mit anderen Bezugssystemen (Hort, Sportverein, etc.) haben einen wichtigen Stellenwert in der Psychotherapie von Kindern.

 

Jugendliche haben andere Wünsche an die Therapie als Kinder. Die Phase der Loslösung vom Elternhaus bedingt, dass die Bezugspersonenarbeit einen geringeren Stellenwert einnimmt. Der Psychotherapeut hat den Eltern gegenüber eine Schweigepflicht über das, was in der Therapie gesagt wurde, wenn der Patient nicht möchte, dass seine Eltern es erfahren. In dem Lebensabschnitt, in dem elterliche Werte in Frage gestellt werden und zugleich die eigene Zukunft als Erwachsener oft noch unvorstellbar und nebulös erscheint, brauchen Jugendliche häufig ein neutrales Gegenüber, mit dem sie ihr Wertesystem überprüfen, Zukunftsvorstellungen ausmalen, als peinlich erlebte Probleme diskutieren können. In dieser Lebensphase ist das therapeutische Gespräch und die intellektuelle Auseinandersetzung mit Problemen meist wichtiger als das Spiel. 

Psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters

Die psychischen Störungen im Kinder- und Jugendalter sind im Folgenden nach dem Zeitpunkt ihres Erstauftretens geordnet. Die Übergänge sind allerdings fließend: oft können Störungen, die bereits im Kindesalter auftreten können erst viel später zur Belastung werden. Oder umgekehrt können auch größere Kinder, Jugendliche oder sogar Erwachsene unter Problemen leiden, deren Erstauftreten in früher Kindheit möglich ist.

Störungen, die bereits im Kleinkindalter auftreten können

Bindungsstörungen: wenn Kinder nicht in der Lage sind, eine sichere und stabile Bindung zu einem Erwachsenen aufzubauen.

Regulationsstörungen im Säuglingsalter: wenn Säuglinge sich schwer beruhigen lassen, exzessiv Schreien, nicht einschlafen können, wenn das Füttern zum Problem wird.

Emotionale Störung mit Trennungsangst des Kindesalters: Kleinkindliche Ängste und Unsicherheiten äußern sich häufig in der Weigerung, sich von den Eltern zu trennen.

Emotionale Störung mit Geschwisterrivalität: wenn Kinder Veränderungen in der Geschwisterkonstellation nicht verkraften oder wenn massive und belastende Konflikte zwischen Kindern bestehen.

Aggressives Verhalten: wenn Kinder Schwierigkeiten haben, Regeln, Normen oder Frustrationen zu akzeptieren und mit Aggressionen reagieren.

Autismus- Spektrum-Störungen: wenn Kinder deutliche und spezifische Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion zeigen wie beim frühkindlichen Autismus (mit Verzögerung oder Ausbleiben des Spracherwerbs) oder beim Asperger-Syndrom (das in der Regel mit normalem Spracherwerb einhergeht).

Störungen, die eher ab dem Kindergartenalter erkannt oder problematisiert werden

Emotionale Störungen: Angststörungen, Phobische Störungen, soziale Phobien, kindliche Depressionen

Störungen von Aufmerksamkeit und Aktivität: Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung(ADHS), Hyperkinetisches Syndrom (HKS), Hyperaktivität.

Reaktionen auf schwere Belastungen: Anpassungsstörungen, Posttraumatische Belastungsstörung, Psychische Störungen als Folge von Vernachlässigung, Misshandlung, sexuellem Missbrauch
Störungen, die die Regulation der Ausscheidungen betreffen: Enkopresis (Einkoten), Enuresis (Einnässen) und funktionelle Harninkontinenz.

Störungen im sozialen Kontakt: Störungen des Sozialverhaltens (erhöhte Aggressivität, Schwierigkeiten in der Befolgung von Regeln), Elektiver Mutismus (Weigerung, mit Personen außerhalb eines gewissen, eng vertrauten Personenkreises zu sprechen).

Störungen mit Auftreten im Schulalter

Störungen von Aufmerksamkeit und Aktivität: Wenn Konzentration, Impulskontrolle und das Stillsitzen zum Problem werden.

Symptome von Überforderung und Überlastung: wenn der Schulstress nicht mehr bewältigbar erscheint, wenn Schulängste auftreten, wenn die seelische Gesundheit in der Folge von Mobbingerfahrungen leidet.

Schmerz- und somatoforme Störungen: wenn der Körper das Sprachrohr eines seelischen Leidens wird.

Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten und Teilleistungsstörungen (Rechenstörung, Legasthenie  oder Lese-Rechtschreibstörung)

Schizophrene Psychosen: wenn die Grenzen zwischen Realität und Phantasie verschwimmen und die Persönlichkeit sich plötzlich einschneidend verändert.

Zwangsstörungen: wenn das Festhalten an bestimmten Ritualen überlebensnotwendig wird.

Störungen, die meist im Jugendalter erstmals auftreten oder zur Belastung werden

Esstörungen: Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Essanfälle.

Suchtstörungen (Substanzgebundene Süchte und Mediensucht, Drogen-induzierte psychische und Verhaltensstörungen)
Suizidalität (Selbstmordgefährdung im Jugendalter). Wenn die Probleme so schwer scheinen, dass man nicht mehr leben möchte, sollte man dringend Hilfe suchen. Eine ambulante Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen kann in Krisenzeiten vielleicht nicht ausreichend Halt bieten. Wer suizidal ist und Hilfe braucht, findet hier geeignete rund um die Uhr erreichbare Anlaufstellen.

 

Im Jugendalter können beinahe alle Störungen und Probleme aus dem Bereich der Erwachsenen-Psychotherapie auftreten.